Tea Talk #4 mit Marie über Achtsamkeit im Alltag

Foto: Yoga im Augartenpark

Unseren vierten Tea Talk haben wir bei einer Tasse Tee und einem Stück Kuchen mit Marie geführt. Marie ist Yogalehrerin, arbeitet als Psychologin in der Forschung und befindet sich auf dem spannenden Weg in die Selbstständigkeit. In nicht allzu ferner Zukunft möchte sie ihre Erfahrungen in den Bereichen der Achtsamkeitsarbeit sowie Entspannungstechniken in Seminaren und Kursen weitergeben.

Was genau machst du bzw. was hast du vor?

Ich bin über Yoga zu Achtsamkeitsmethoden gekommen. In dem Yoga-Studio, in dem ich meine Ausbildung gemacht habe, wurde viel Wert auf Achtsamkeit gelegt. Mich hat fasziniert, dass man in Bewegungen, die man schon unzählige Male gemacht hat, immer wieder Neues entdecken kann. Plötzlich merkte ich, beim tausendsten Mal in der Hundehaltung: wenn ich die Basis meines Zeigefingers in die Matte drücke, aktiviert das meine Bauchmuskeln. Durch das Richten der Aufmerksamkeit auf ganz kleine Dinge haben sich für mich neue Welten eröffnet. Anfangs war es rein der Bewegungsfokus. Durch Achtsamkeit ist es unmöglich, dass man mit den Gedanken ganz woanders ist und das hat mich fasziniert.

Während der Yogaausbildung hab ich gemerkt, dass der Fokus auch auf andere Bereiche im Leben überschwappt. So entscheide ich mich bewusst dafür, oder dagegen, das Geschirr gleich nach dem Essen abzuwaschen.

Zwischenfrage: Wie hast du dich heute für deinen Kuchen entschieden?

Das war eine reine Bauchentscheidung 😉

Oder auch Nachhaltigkeit – ich kaufe mir ein Handy, das nicht so unfair produziert wurde. Und ich habe mehr Bewusstsein für die unterschiedlichsten Dinge entwickelt und gleichzeitig auch Dankbarkeit. So viel zur Geschichte.

Dann hab ich mehr gelesen über Achtsamkeit, vor allem von Thich Nhat Hanh. Irgenwann hab ich mich in dem ganzen Lesen verloren und bin draufgekommen, es ist ja eine Praxis, man tut etwas – darauf versuche ich mich jetzt zu konzentrieren

In meiner Forschungsarbeit im Gesundheitsbereich hab ich viel über Achtsamkeit und Ernährungsmethoden gelernt. Ich hab eine Weiterbildung gemacht und darf das in der Arbeit anwenden. Ich darf den Studierenden also Achtsamkeitsmethoden näherbringen. Zum Beispiel die Rosinenübung: Man nimmt eine Rosine in die Hand und erforscht sie, schaut sie mit allen Sinnen nach der Reihe an. Bei Diätologie-StudentInnen kommt dann beim Kosten sofort der Gedanke: Wenn ich diese Rosine jetzt esse, dann steigt mein Insulinspiegel – das sind die Bewertungsvorgänge im Kopf. Wenn ich sie darauf aufmerksam mache, kommt das AHA-Erlebnis und ihnen wird bewusst, dass ihre künftigen KlientInnen ja auch alles sofort bewerten – jede Diät, warum sie eine Schokolade essen, usw.

In diesem Bereich möchte ich mich weiterbilden und auch mehr unterrichten –mit Ernährungsbezug oder auch ohne.

Wie gut bist du in der Yogaszene vernetzt?

Ich hab meine Yogaausbildung in Graz gemacht, aber ich bin grundsätzlich eher schüchtern und deshalb nicht so gut vernetzt. Ich kenne die Szene gut, aber ob mich wer kennt, weiß ich nicht.

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Bist du interessiert an einem Raum für Austausch und Vernetzung?

Ja, unbedingt! Vor allem finde ich auch Frauenthemen total spannend. Im Feminismus wird hin und wieder dazu tendiert, dass man „die Männer“ ändern möchte, aber wir, als Gesellschaft, tragen ja alles gemeinsam mit. Ich finde es wichtig, dass Frauen sich gegenseitig unterstützen und zusammenhelfen.

Was würdest du dir von so einem Raum erhoffen? Was würdest du gerne von anderen lernen?

Ich finde es immer spannend, wenn jemand einen anderen Blickwinkel hat, egal aus welchem Bereich. In der Arbeit bin ich die einzige Psychologin, und zusammen mit allen anderen entstehen gute Dinge. Ich mag es auch, mich an Vorbildern zu orientieren. Nicht, dass ich dann selbstkritisch bin, sondern ich sehe sie als Inspiration für mein Leben.

Was könntest du an andere weitergeben?

Ich glaube, dass ich Menschen gut beruhigen kann und bei anderen fällt es mir wesentlich leichter, sie in ihrem Weg zu bestärken. Und natürlich Achtsamkeits- und Entspannungstechniken, kognitive Strategien, Muster zu erkennen.
Und ich schreibe gerne, das kann ich auch anbieten.

Deine Pläne für die Zukunft?

Die Achtsamkeitsstrategien noch mehr in den Mittelpunkt meines Lebens rücken und irgendwann möchte ich mich damit auch selbstständig machen.

Tee oder Kaffee?

Immer Tee!

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